the Theater Blackbox | Displaced Person

Displaced Person - Einübung in Heimatlosigkeit


Nominiert zum Kurt-Hackenberg-Preis der Stadt Köln 2014
Szenische Installation von Ulrike Janssen
Premiere am 9. Oktober 2014 / Theater der Keller

„Displaced Persons“ hießen nach dem Zweiten Weltkrieg Menschen, die ihre Heimat verloren hatten: Flüchtlinge, Zwangsarbeiter und Häftlinge.
Heute kommen viele Flüchtlinge zu uns. Wie fühlt sich „Heimatlosigkeit“ an, wie geht man damit um? Das Trauma dieser Erfahrung ist nicht nur eine Herausforderung für denjenigen, dem es widerfährt; es fordert uns alle heraus, die wir diesen Menschen begegnen und mit ihnen zusammenleben.
Die szenische Installation unternimmt eine dokumentarisch-poetische Reise.

Haben denn die Displaced Persons nicht über die Jahre gelernt, Verbindungen zu knüpfen und wieder zu lösen, sich zu binden und wieder auseinanderzugehen, jeder in eine andere Richtung, in ein anderes Land, nach anderswo. Freundschaften, Verbindungen, Wörter, Gesichter, Küsse – alles blieb nur in Erinnerungen. Doch selbst das Erinnern geschah selten ... Jonas Mekas, Litauen/USA

Manchmal denke ich, ich bin in einem Traum. Jeden Tag warte ich darauf, daß er zerplatzt. Ich fasse mich an, ich schneide mich, um zu spüren, daß ich in der Wirklichkeit bin. Jeden Tag warte ich darauf, daß ich aufwache, und alles ist wieder so wie früher. Ounfa Cone, Elfenbeinküste/Deutschland

Displaced Persons sind „Zivilisten außerhalb der nationalen Grenzen ihres Landes aus kriegsbedingten Gründen, die nach Hause zurückkehren wollen, aber dazu unfähig sind, oder die ohne Hilfe kein Zuhause finden oder die in feindliches oder ehemals feindliches Territorium zurückgebracht werden müssen.“ (Order des Alliierten Hauptquartiers, 3.6.1944) – Zu den ca. 6,5 Millionen „DPs“ gehörten ehemalige Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, Konzentrationslagerhäftlinge, Flüchtlinge. Sie lebten zum Teil jahrelang in sogenannten „Displaced-Person-Camps“.

Ich hab nie ein Gefühl von Heimat gehabt, das ist ein Fremdwort. Für mich ist Heimat überall, wo ich bin, mit den Menschen und Orten, die ich in meiner Erinnerung mit mir nehme. Das wünsch ich mir manchmal, daß andere Menschen das auch so sehen würden, dann würden, denke ich, weniger Probleme entstehen. Zlatko Sumkovski, Österreich/Mazedonien/Indien/Indonesien/Deutschland

Der Migrant ist zugleich Fenster, durch welches hindurch die Zurückgebliebenen die Welt erschauen können, und Spiegel, in dem sie sich, wenn auch verzerrt, selbst sehen können. – Die Vertriebenen, so wie sie gelegentlich auf unseren Fernsehschirmen ersichtlich sind, führen uns vor Augen, was zu sein wir eigentlich trachten müssten. – In diesem Sinn ist jeder Heimatlose, zumindest potentiell, das wache Bewußtsein aller Beheimateten und ein Vorbote der Zukunft. Vilém Flusser, Tschechoslowakei/England/Brasilien/Frankreich

Bilder

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Besetzung

Konzeption/Texte/Video/Regie: Ulrike Janssen
Szenische Einrichtung: Susanne Seuffert
Musik/Sounddesign: Tim Elzer
Bühne/Licht: Dietrich Körner
Technik: Thorsten Zietsch
Assistenz: Alina Welsch
Mit Gerda Böken, Ounfa Cone, Idris Kani
sowie, in Ton und/oder Bild: Lina Abdu-Shab, Irina Doronina, Heinz von Foerster, Ruzica Hajdari, Sultana Hesso, Lu Janssen, Abdeddaim Khalihanna, Jonas Mekas, Khánh Nguyen, Bernard Peroumalle, Shia Ryal, Zlatko Sumkovski, Daniel Werner u.a.

eine Produktion von theaterblackbox Köln

Trailer

Pressestimmen

"Es gelingt eine 70-minütige Montage aus starken Bildern und Worten, die auf elegante Weise Ästhetik und Poesie mit ernster Thematik verbindet und nicht bloß auf Betroffenheitsrhetorik setzt." (Kölner Stadtanzeiger 13.10.14)

"Starke Bilder entstehen (...) immer wieder wechseln szenische Aktionen mit minimalistischen Videos von Körperzellen, Wasser oder Himmel. Es geht also nicht um die Politdebatte, sondern die Inszenierung traut sich Innenansichten sinnlich sichtbar zu machen. Das 'Fremdsein ist ein Grab'. Dank dieses kommentarlosen Dokumentationsstils werden solche Sätze viel mehr als nur ein Zitat in Erinnerung bleiben." (Stadtrevue, Nov.'14)